Startseite > Chronologie der Ereignisse

Chronologie der Ereignisse

Chronologie der Ereignisse

2006     Die altaugsburggesellschaft lässt mit einer Spende der HypoVereinsbank Augsburg neue Holzstiegen und einen neuen Holzboden in den Augsburger Fünffingerlesturm einbauen, damit "zukünftige Besucher gefahrlos den Turm besichtigen und an Veranstaltungen teilnehmen" können.

Mai 2007     Die altaugsburggesellschaft bezeichnet diese Holzstiegen im Fünffingerlesturm als abenteuerlich und gibt die Absicht bekannt, eine Außentreppe in der Art einer Stadtmauer anbauen zu wollen. Der Turm soll aus seinem Dornröschenschlaf gerissen und einer musealen Nutzung zugeführt werden. Die Stadtsparkasse Augsburg macht 120.000 Euro als Anschubfinanzierung für den 200.000 Euro teuren Anbau locker.

Juni 2007     Die Stadt Augsburg erteilt der altaugsburggesellschaft als Antragstellerin eine Baugenehmigung für den Anbau einer Treppenanlage aus Stahl und Beton mit integriertem WC.

Juli 2007     Aus der Bevölkerung regt sich Kritik. Anwohnerin Evi Hannen hat eine Unterschriftenaktion gegen den Entwurf gestartet, bestärkt durch Informationen aus der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt, wonach man nicht einhellig für den Entwurf gestimmt habe.

Juli 2007     Die Bürgervereinigung PRO Augsburg bietet an, zwischen der inzwischen formierten "Bürgerinitiative gegen den Treppenanbau am Fünffingerlesturm" um Evi Hannen, Herbert Egeler, Siegfried Zagler und Friedrich Seidler und der altaugsburggesellschaft zu vermitteln. Die altaugsburggesellschaft lehnt mit dem Hinweis ab, die Angelegenheit selbst in die Hand nehmen zu wollen.

Juli 2007     Mehrere Gesprächsversuche mit der Vorsitzenden der altaugsburggesellschaft, Anne Voit, scheitern. Statt dessen wird ein Baum am Turm gefällt, erste Erdarbeiten für das Fundament werden durchgeführt. PRO Augsburg fordert einen sofortigen Baustopp, um ausreichend Zeit für gemeinsame Gespräche zu haben und appelliert an die Stadt, die Sorgen von Anwohnern ernst zu nehmen und einen runden Tisch einzuberufen.

Juli 2007     Der Baustopp tritt ein, allerdings bedingt durch den Fund historischer Mauerreste. Nach den Sommerferien soll es mit dem Bau der umstrittenen Außentreppe planmäßig weitergehen. Bürgermeister Klaus Kirchner betont, die geplante Nutzung sei im Interesse der Stadt, auch wenn die "Planung nicht jedem gefallen mag".

9. August 2007     Die altaugsburggesellschaft veranstaltet einen Informationsabend zur Baumaßnahme. Nach den Referaten von Behördenvertretern kommen auch besorgte Bürger kurz zu Wort. Moderator Dr. Kiefer (SPD) zieht am Ende ein Fazit: eine Zwischenlösung der beiden Positionen – keinerlei Veränderungen am Turm vorzunehmen und Nutzungen zu unterlassen einerseits und einen Treppenaufgang zur Nutzung des Turms zu errichten – sei nicht möglich. Die beschlossene und genehmigte Maßnahme werde wohl so ausgeführt.

Ende August 2007     Die Bürgerinitiative möchte zusammen mit einem Treppenbauer den Turm begehen, um nach einer alternativen Lösung für eine innere Erschließung zu suchen. Die altaugsburggesellschaft verwehrt den Zutritt. Die Bürgerinitiative wendet sich mit einem offenen Brief an die Stadt Augsburg und OB Dr. Wengert und beklagt sich über das herrschaftliche Verhalten und die fehlende Kompromiss- und Dialog-Bereitschaft seitens der altaugsburggesellschaft.

8. September 2007     Die Bürgerinitiative demonstriert mit 80 Teilnehmern auf dem Rathausplatz gegen die geplante Außentreppe und für einen sofortigen Baustopp. Die altaugsburggesellschaft zeigt sich befremdet, da die Pläne doch schon lange öffentlich seien.

19. September 2007     Die Bürgerinitiative erwägt ein Bürgerbegehren. Bei Aktionen sind bereits 800 Unterschriften gegen den Anbau zusammengekommen. Bis auf einen lapidaren Antwortbrief von OB Paul Wengert hat sich aber niemand auf der Seite der Bauherren für die Sorgen der Bürger interessiert.

26. September 2007     Die Bürgerinitiative betont auf einer Pressekonferenz ihre Entschlossenheit, ein Bürgerbegehren in die Wege zu leiten und stellt die Fragestellung des Begehrens vor. Zum Bürgerbegehren soll es kommen, falls es kein Signal seitens der Stadt geben sollte, den Bau zu stoppen und in einen konstruktiven Dialog einzutreten.

26. September 2007     Die Stadt Augsburg und die altaugsburggesellschaft schaffen eine weitere Voraussetzung für die Nutzung des Turms und schließen einen langjährigen Überlassungsvertrag.

27. September 2007     Der Stadtrat lehnt einen Dringlichkeitsantrag von PRO Augsburg für einen Baustopp am Turm ab.

28. September 2007      Der Startschuss für das Bürgerbegehren fällt. Die Initiatoren erhalten organisatorische und politische Unterstützung durch die Bürgervereinigung PRO Augsburg.

8. Oktober 2007      Erste Bauaktivitäten am Turm beginnen: ein Durchbruch an der Nordfassade in Höhe der geplanten Treppenanbindung wird erstellt. Der Fünffingerlesturm wird als Veranstaltungsort auf der Internetseite eines Partyservice feilgeboten, Kontakt: altaugsburggesellschaft.

9. Oktober 2007      Die Partyservice-Seite wird im Internetforum der Augsburger Allgemeinen thematisiert. Nach einer Abmahnung durch die altaugsburggesellschaft verschwindet das Angebot. Dabei hatte der Partyservice nur Informationen abgedruckt, die er von der Tourismus GmbH der Stadt Augsburg erhalten hatte. Auch wir werden von der altaugsburggesellschaft gebeten, unseren Internetauftritt zu aktualisieren.

21. Oktober 2007      Rekord beim Marktsonntag in Lechhausen: trotz ungemütlicher Witterung drängen 780 Augsburger zu unserem Stand, um das Bürgerbegehren gegen die Außentreppe zu unterzeichnen. Der Unterschriftenzähler durchbricht die 3.000er Marke. Vielen herzlichen Dank!

21. Oktober 2007      Augsburg-TV strahlt einen halbstündigen Beitrag zum Fünffingerlesturm aus. In der Sendung "Zur Sache" diskutieren Frau Anne Voit von der altaugsburggesellschaft und Evi Hannen von der Bürgerinitiative die Außentreppe und die geplante Nutzung.

24. Oktober 2007      Wir erhalten kurzfristig einen Termin beim Baureferat der Stadt Augsburg. Baudirektor Dr. Karl Demharter und Herr Huber von der Unteren Denkmalschutzbehörde geben uns umfassende Auskunft zum Bauantrag und zu allem, was genehmigt und auch was nicht genehmigt ist.

6. November 2007      Das Bauordnungsamt der Stadt Augsburg bestätigt unsere Zweifel an der öffentlichen Nutzbarkeit des Turmwächterstübchens ganz oben im Turm: die historische Wendeltreppe nach oben ist nicht verkehrssicher, eine Ausnahme kann nicht zugelassen werden. Damit ist klar: die Außentreppe erschließt 18 m² im 2. OG und sonst nichts. Der Architekt erklärt, die Außentreppe werde jetzt zügig gebaut. Baufahrzeuge rücken an.

28. November 2007      Die FDP lädt uns ein. Wir erhalten die Gelegenheit, auf ihrer Mitgliederversammlung zu sprechen. Vor allem unsere Kritik am Verfahren und am Umgang der Stadtverwaltung mit dem Bürger findet offene Ohren. Die FDP bekundet in einer Pressemitteilung "wohlwollende Begleitung" für unser Begehren.

3. Dezember 2007      Unser Architekt trifft sich mit Dr. Weis vom Landesamt für Denkmalpflege. Nicht wie geplant im Turm sondern in den Räumen der Stadt Augsburg, denn die altaugsburggesellschaft verwehrt den Zutritt. Wir erfahren aus erster Hand, dass eine Innentreppenlösung - anders als bisher zu lesen - nie zu Ende diskutiert, sondern von der aag sehr frühzeitig verworfen worden war. Herr Dr. Weis schließt uns gegenüber die Möglichkeit einer Innenerschließung aus Sicht der Denkmalpflege nicht aus.

8. Dezember 2007      Die CSU empfängt uns in ihrem Wahltreff. Über eine Stunde diskutieren wir mit Kurt Gribl, Bernd Kränzle und Hermann Weber. Die Herren sind baufachlich vorbelastet, das Gespräch auf entsprechend hohem Niveau. Wir fühlen uns verstanden. Man verspricht, unseren Vortrag und unsere Unterlagen genau zu prüfen.

10. Dezember 2007      Termin bei der Stadtregierung. Man erläutert uns den Werdegang aus Verwaltungssicht und meint, nichts falsch gemacht und alles Nötige genehmigt zu haben. Nur Baureferent Demharter bestätigt unsere Position, nämlich dass die eigentliche Genehmigung für die Turmnutzung fehlt. Man bedauert, dass sich zwei ehrenvolle Bürgervereinigungen - die aag und unsere Bürgerinitiative - streiten, und die Stadt dafür Prügel bekommt. Zu einer Sachdiskussion kommt es nicht.

13. Dezember 2007      Der Fünffingerlesturm ist auf der Tagesordnung des Stadtrats, wie von der Bürgerversammlung im Oktober beschlossen. Beschlussvorlage der Stadtregierung: man möchte der Sache nicht mehr nähertreten. Aber die CSU hat sich die versprochenen Gedanken gemacht, es kommt zu einer erregten Aussprache. Auch Frau Kranzfelder-Poth, FDP, hält eine flammende Rede pro Bürgerinteresse. Sitzungsunterbrechnung, Beschluss: die Verwaltung soll sich mit den rechtlichen Konsequenzen befassen, falls der Stadtrat vom Projekt Fünffingerlesturm abrückt.

15. Januar 2008      Wir laden zum Infoabend in der Kresslesmühle ein. Zahlreiche Bürger kommen; CSU, FDP, Grüne, Freie Wähler und Pro Augsburg sind mit Stadträten vertreten. Wir referieren umfassend, anschließend kommt es zur Diskussion und zu Statements der anwesenden Politiker. Eine parteiübergreifende Allianz der Vernunft zeichnet sich ab. Wir gehen verhalten optimistisch aus dem Abend.

24. Januar 2008      Wir haben 11.120 Unterschriften gegen die Treppe gesammelt. Vor der Stadtratsitzung am 24. Januar übergeben wir die Unterschriften an OB Dr. Wengert und Stadtdirektor Dr. Münzenrieder. Der Stadtrat beschließt, dass ein von OB Dr. Wengert moderiertes Gespräch zwischen der altaugsburggesellschaft und uns stattfinden soll.

21. Februar 2008      Vier Wochen sind um. Gemäß Gemeindeordnung müsste die Stadt bis heute über die Zulässigkeit unseres Bürgerbegehrens entschieden haben. Wir hören nichts. Auch in der heutigen Stadtratssitzung ist der Fünffingerlesturm kein Thema.

5. März 2008      Jahreshauptversammlung der altaugsburggesellschaft hinter verschlossenen Türen. Frau Voit wird als Vorsitzende bestätigt. Durch den Beschluss, nicht von der Außentreppe abzurücken, nimmt sich die altaugsburggesellschaft jeden Verhandlungsspielraum für das anstehende Gespräch mit dem OB.

7. März 2008      Eine gute Nachricht von der Stadtverwaltung: von unseren 11.120 eingereichten Unterschriften waren mindestens 9.800 gültig. Damit ist das Quorum für einen Bürgerentscheid erfüllt. Jetzt heißt es immer noch Warten auf die Entscheidung über die rechtliche Zulässigkeit.

12. März 2008      Nachdem Anfang März mehrere Terminvorschläge für das vom Stadtrat beschlossene Gespräch zwischen BI und aag an der fehlenden Handlungsfähigkeit der aag gescheitert waren, lädt OB Wengert für den 25. März zum Gespräch. Gemäß der öffentlich bekanntgemachten Einladung sollen am Termin "alternative Erschließungsmöglichkeiten des Turms geprüft und besprochen" werden. Da unser Architekt zum vorgeschlagenen Termin in Osterurlaub ist, schlagen wir einige Ersatztermine in der ersten Aprilwoche vor.

20. März 2008      Gründonnerstag: noch keine Rückäußerung der Stadt zu unseren Terminvorschlägen. "Alle warten nun die beschlossenen Kompromissgespräche zwischen Verein, Initiative und OB Wengert ab" ist in der Augsburger Allgemeinen zu lesen.

21. März 2008      Die kommende Stadtregierung aus CSU und PRO Augsburg stellt sich auf Augsburg-TV vor. Es soll künftig Bürgernähe praktiziert werden. Die beiden Parteien wollen mit allen Beteiligten ins Gespräch kommen und am Fünffingerlesturm eine Lösung haben, die allen gerecht wird, möglichst ohne Außentreppe.

25. März 2008      Dienstag nach Ostern: immer noch keine Rückäußerung der Stadt zu unseren Terminvorschlägen für die kommende Woche.

26. März 2008      Überraschend rücken am frühen Morgen Baufahrzeuge an. Die aag lässt das Treppenfundament betonieren. Die Beton-Fertigteilfirma ist informiert, dass es "weitergeht". Der Schlosser ist bereits für die erste Aprilwoche terminiert, um die Stahlkonstruktion zu montieren. Die CSU spricht von einem "feindlichen Akt".

27. März 2008      Die Betonwände der Treppe stehen. Der designierte OB Dr. Kurt Gribl greift ein. Er weist auf die fehlende Genehmigung für die Turmnutzung hin. Es drohe also eine Treppe ohne geregelte Nutzung. Anne Voit bleibt fest entschlossen, die Bauarbeiten fortzuführen und kündigt Schadenersatzforderungen an, sollten Baugenehmigung und Nutzungsvertrag rückgängig gemacht werden.

3. April 2008      Die Entscheidung über die Zulässigkeit unseres Bürgerbegehrens steht auf der Tagesordnung des Stadtrats. CSU und PRO Augsburg argumentieren für uns. Die Regenbogenparteien sind krankheitsbedingt in der Minderzahl, das bürgerliche Lager könnte sich in der Abstimmung durchsetzen. Nach langer Diskussion und Sitzungsunterbrechung die Überraschung: unser Begehren wird mit 54:2 Stimmen als unzulässig abgelehnt.

15. April 2008      Der stählerne Gitterkäfig steht. Damit geht die altaugsburggesellschaft Fakten schaffend ganz nah ran an den Gehweg. Der untere Treppenlauf, der - abweichend von der Baugenehmigung - massiv in den Gehweg hineinragen würde, wird noch weggelassen.

22. April 2008      Das Bauordnungsamt stellt den Bau ein. Es wird nichts mit der Montage des unteren Treppenlaufs. Zuvor hatte die altaugsburggesellschaft versucht, auf dem kleinen Dienstweg eine Zustimmung zur Gehwegüberbauung zu erhalten. Arrogant hatte man gefordert, die Stadt solle zurückweichen und ihren Gehweg in die Straße hinein schieben. Das Tiefbauamt hatte gezögert, dank eines Gullis an der Bordsteinkante.

24. April 2008      Im Zug der Prüfung des von der altaugsburggesellschaft beabsichtigten Grenzüberbaues entpuppt sich die Außentreppe immer mehr als Schwarzbau. Dem Baureferat wird die Sache zu heiß. In der letzten Stadtratssitzung unter OB Wengert erklärt Baureferent Dr. Demharter, dass der Bauausschuss gefragt ist. Damit wird die Treppe offiziell wieder zum Politikum.

30. April 2008      Nachmittags herrscht Hektik am Turm. Zuerst taucht ein Vermessungstrupp auf, später einige Vorstandsmitglieder der altaugsburggesellschaft und Mitarbeiter der Bauverwaltung. Eilsache, so die Vermesser. In den letzten Amtsstunden von OB Wengert solle noch eine Sitzung stattfinden.

Wie wir später erfahren, hatte Wengert dem Tiefbauamt schriftlich die dringende Anweisung gegeben, der altaugsburggesellschaft ein Stück Gehweg zu überlassen, um den Schwarzbau zu legalisieren. Am selben Tag steht über den scheidenden Wengert in der Zeitung: "Sein letzter Wunsch als OB: 'Die Stadt soll sich an mich erinnern. Das hoffe ich'."

3. Mai 2008      Wir laden die Bürger zum Turm ein und informieren bei Kaffee und Kuchen und Drehorgelmusik über den aktuellen Sachstand. Gegen 13:30 Uhr treffen auch OB Dr. Gribl und der dritte Bürgermeister Peter Grab ein. Kaum 24 Stunden im Amt, stellen sie sich den Fragen der Bürger. Vom ebenfalls anwesenden neuen Baureferenten Gerd Merkle erfahren wir erleichtert, dass Wengerts letzter Coup mit der Gehwegüberlassung gescheitert ist.

13. Mai 2008      Die Argumentation des Ablehnungsbescheids zu unserem Bürgerbegehren erscheint uns angesichts der gefallenen Baugenehmigung für die Treppe immer fragwürdiger. Nach eingehender rechtlicher Befassung entschließen wir uns, Klage gegen die Ablehnung des Bürgerentscheids einzureichen.

23. Mai 2008      OB Dr. Gribl besucht unser wöchentliches Treffen und erläutert uns seinen Gütevorschlag: die Außentreppe soll zunächst für drei Jahre stehen bleiben. Nach diesem 'Probebetrieb' soll der Stadtrat frei über ihr weiteres Schicksal beschließen können. Wir sollen als Partner in einen öffentlich-rechtlichen Vertrag eingebunden werden. Gribls Hauptargument: die Rechtslage sei kompliziert, auch bei einer Lösung im Streit würde die Treppe u. U. jahrelang stehen. Wir sagen eine baldige Entscheidung zum Probebetrieb zu.

26. Mai 2008      Der 90 cm in den Gehweg ragende Träger ist weg! Rätselraten: Anordnung der Stadt? Beginn eines geordneten Rückbaues? Oder gar die eilige Beseitigung des corpus delicti im Streit um den Baustopp?

11. Juni 2008      Anruf von OB Dr. Gribl: die altaugsburggesellschaft könnte sich den dreijährigen Probebetrieb vorstellen. Wir teilen Dr. Gribl unseren inzwischen gefestigten Standpunkt mit: ein Probebetrieb kommt für uns nicht in Frage.

17. Juni 2008      Wir sind mit der altaugsburggesellschaft vor Gericht. Diese hatte uns im April 2008 in einem Brief an den Stadtrat, der als Tischvorlage ausgereicht wurde, in die Nähe von Straftätern gerückt; wir waren gegen diese Verunglimpfung vorgegangen. Die altaugsburggesellschaft gibt eine entschuldigende Ehrenerklärung ab. Wir verzichten auf die geforderte Unterlassungserklärung.

18. Juni 2008      Der Landesdenkmalrat besichtigt den Turm und die Treppe. Teilnehmer sind u.a. Albert Graf Fugger, Dr. Weis vom Landesamt für Denkmalpflege und der CSU-Fraktionsvorsitzende Bernd Kränzle. Ein außergewöhnlicher Termin für den Rat: gewöhnlich wird dieser im Vorfeld einer Maßnahme eingeschaltet und nicht, wenn bereits Tatsachen geschaffen wurden.

19. Juni 2008      OB Dr. Gribl erklärt seinen Vermittlungsversuch zwischen uns und der altaugsburggesellschaft für gescheitert. Damit ist der erste Teil seines Wahlversprechens abgearbeitet: der Versuch, eine einvernehmliche Lösung über den Verzicht auf die Außentreppe zu erreichen. Nun folgt Teil Zwei, die rechtliche Überprüfung der Genehmigung und des Überlassungsvertrags.

Ende Juni 2008      Die altaugsburggesellschaft gibt auf ihrer Internetseite bekannt, durch die nicht von ihr verursachte Entwicklung leider gezwungen zu sein, den Klageweg in Sachen Baustopp zu beschreiten.

1. September 2008      Langsam beginnt Gras über bzw. um das Treppenfragment zu wachsen. Dann der Paukenschlag: das Verwaltungsgericht Augsburg erklärt in einer Eilentscheidung den Baustopp für rechtswidrig. Das Gericht konnte kein Abweichen von den genehmigten Plänen erkennen.

10. September 2008      Die Stadt Augsburg legt gegen die Gerichtsentscheidung Beschwerde beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof ein. Am 17. September wird ein Antrag der SPD, auf Rechtsmittel zu verzichten, auf die nächste Stadtratsitzung vertagt.

2. Oktober 2008      Der Fünffingerlesturm ist wieder Thema im Stadtrat. Baureferent Merkle erläutert, das Verwaltungsgericht sei in der Baustopp-Sache von einem falschen Sachverhalt ausgegangen, die Stadt habe deshalb Rechtsmittel eingelegt. Er demonstriert auf der Großleinwand im Sitzungssaal, dass das Grundstück im Eingabeplan um mehr als einen halben Meter falsch dargestellt ist. Auch die SPD kann sich dieser Erkenntnis nicht länger verschließen und zieht ihren Antrag zurück.

27. November 2008      Wir erhalten von OB Kurt Gribl eine Einladung zu einem Runden Tisch. Zusammen mit der altaugsburggesellschaft soll jenseits der juristischen Schiene noch einmal eine Lösung gesucht werden.

15. Dezember 2008      Der Runde Tisch findet statt. Zum ersten Mal sitzen wir außergerichtlich der Vorsitzenden der altaugsburggesellschaft gegenüber. OB Kurt Gribl moderiert, gibt aber ein klares Ziel vor: den Rückbau der Treppe nebst flankierendem Geleit für die altaugsburggesellschaft. Es sollen weder Vorwürfe noch finanzielle Nachwirkungen zurückbleiben. Dafür könnte er sich als OB einsetzen. Die altaugsburggesellschaft erbittet sich Bedenkzeit.

19. Dezember 2008      Die altaugsburggesellschaft hat sich gegen den Rückbau mit dem vom OB garantierten "sicheren Geleit" entschieden. Der Presse ist zu entnehmen, dass sie am Projekt festhält und eine Gehwegveränderung anstrebt, damit der Bau Platz findet und seine Farbe von "Schwarz" auf Anthrazitgrau wechseln kann.

15. Januar 2009      Der Bauausschuss lehnt das Angebot der altaugsburggesellschaft ab, den Gehweg vor dem Fünffingerlesturm auf eigene Kosten in den Straßenraum zu verlegen. Nur die SPD stimmt dafür.

19. März 2009      Auch der Bayerische Verwaltungsgerichtshof (BayVGH) hält den Baustopp nicht für rechtens. Er entscheidet, dass die Einstellung der Bauarbeiten am Fünffingerlesturm in Augsburg bis zur Entscheidung über die Klage in der Hauptsache ausgesetzt bleibt.

25. März 2009      OB Kurt Gribl gibt der Augsburger Allgemeinen Zeitung ein ausführliches Interview. Darin positioniert er sich gegen die Außentreppe: Wegen des Eingriffs in den öffentlichen Raum und des fehlenden Nutzungskonzepts für das so sensible Turmbauwerk hätte die Treppe nicht genehmigt werden dürfen.

25. Juni 2009      Das Verwaltungsgericht Augsburg entscheidet über die Klage gegen den Baustopp am Turm. Es bleibt bei der Position des vorangegangenen Eilverfahrens vom September 2008 und erklärt den Baustopp für rechtswidrig. Die Stadt verzichtet auf Rechtsmittel.

30. Dezember 2009      Ein halbes Jahr lang ist nichts passiert. Den Medien entnehmen wir, dass die Stadt Augsburg den Ball bei der altaugsburggesellschaft sieht. Die altaugsburggesellschaft wiederum prüft nach Medienberichten mit ihren Juristen "das weitere Vorgehen".

2. Januar 2010      Verwundert lesen wir in der Augsburger Allgemeinen Zeitung einen Kommentar, die Stadt habe den Baustopp verhängt, weil OB Kurt Gribl eine politische Lösung missglückt sei, und sei nun auf dem Weg der Juristerei gescheitert. Der Redakteur hätte die Chronologie lesen sollen. Dann hätte er gewusst, dass der Baustopp noch unter OB Paul Wengert verhängt wurde.

11. Februar 2010      Im einem Gespräch bei Oberbürgermeister Kurt Gribl erfahren wir, dass sich an der Position der Stadt bezüglich eines Gehwegumbaues nichts geändert hat. Die Stadt ist nicht bereit, den Gehweg zu Lasten der Straße zu verbreitern, um Platz für die verplante Treppe zu schaffen.

29. März 2010      Seit bereits über einem Jahr - nämlich seit der Aussetzung des Baustopps am 19. März 2009 durch den Bayerischen Verwaltungsgerichtshof - könnte die altaugsburggesellschaft den Turm sanieren. Das Geld dazu hat sie in Form der Großspende der Stadtsparkasse seit drei Jahren auf dem Konto. Aber es geschieht nichts - außer der vollmundigen Ankündigung "Die altaugsburggesellschaft übernimmt die Verantwortung für den Fünffingerlesturm" im Internet.

19. Mai 2010      Die Fraktion Pro Augsburg stellt einen Antrag an den Oberbürgermeister.  Die Stadt soll sich von dem gescheiterten Projekt "Fortführung Fünffingerlesturm" verabschieden, die Verantwortlichkeiten klären und die seit 2 Jahren unveränderte, unbefriedigende Situation auflösen.

23. März 2012
    Stadtheimatpfleger Prof. Hubert Schulz, seit eineinhalb Jahren im Amt, nimmt Kontakt mit uns auf. Ein geänderter Treppenentwurf der altaugsburggesellschaft habe ihm gezeigt, dass nach langem Stillstand wieder Bewegung in der Angelegenheit sei. Wir sollen ihm mitteilen, ob auch wir uns eventuell bewegen würden. Er würde dann eine Mediation versuchen. Wir erklären uns zu einem Gesprächstermin im Turm bereit.

19. Juli 2012
    Der neue Treppenentwurf der altaugsburggesellschaft wird öffentlich im Bauausschuss vorgestellt. Er sieht eine Verlängerung der Treppe um 4 Meter in gerader Richtung nach Norden Richtung Kahnfahrt vor, anstelle des halbgewendelten Treppenlaufs, der auf dem Gehweg landen würde. Dafür müsste ein zweiter Baum fallen. Der Entwurf fällt im Ausschuss durch.

24. Juli 2012
    Wir dürfen erstmals mit Zustimmung der altaugsburggesellschaft in den Turm und erläutern Stadtheimatpfleger Prof. Schulz unsere Vorstellungen zur Nutzung des Turms ohne Außentreppe. Die anschließende Diskussion mit Herrn Schulz über die Zukunft des Treppenfragments zeigt uns, dass der Weg bis zu einer erfolgreichen Mediation noch lang ist.

29. August 2012
    Die vom Heimatpfleger festgestellte Bewegung auf Seiten der altaugsburggesellschaft geht aus unserer Sicht in die falsche Richtung. Nicht Rückbau, sondern Weiterbau scheint das Ziel zu sein. Am 23. August begann eine Baufirma mit Putz- und Estricharbeiten im WC im Treppenblock. Heute, am 29. August werden Stahlprofile auf dem Gitterkäfig montiert. Auch der vor vier Jahren abmontierte Träger, das Auflager für den fehlenden unteren Treppenlauf, ist wieder da und ragt in 2,60 Metern Höhe rund 90 cm in den öffentlichen Gehweg (Bild). Das Bauordnungsamt sieht noch keinen Grund für einen erneuten Baustopp.

5. Oktober 2012
    Augsburg TV sendet einen Bericht "Treppenstreit jährt sich zum fünften Mal". OB Kurt Gribl kommt darin zu Wort und spricht von einer Hängepartie. Er habe "nie wirklich wahrgenommen, dass es einer Seite darum geht, das Thema in die eine oder andere Richtung wirklich voranzubringen". Da wir an Verwaltungsvorgängen nicht beteiligt sind, die Angelegenheit also weder verzögern noch beschleunigen können, sind wir ratlos, wie der OB seine Aussage gemeint hat.

8. Oktober 2012
    Die jährliche gesamtstädtische Bürgerversammlung findet statt. Wir stellen einen zweiteiligen Antrag: Die Stadt soll frühere Beschlüsse zur Außenerschließung des Turms zurücknehmen. Weiter soll sich die Verwaltung zwecks Modifizierung des Mietvertrags mit der altaugsburggesellschaft ins Benehmen zu setzen. OB Kurt Gribl ist bezüglich der Rechtmäßigkeit der Rücknahme von Beschlüssen skeptisch. Auch die 70 Bürger auf der Versammlung lehnen den ersten Teil des Antrags mehrheitlich ab. Teil 2 des Antrags geht jedoch als Bürgerauftrag an die Verwaltung.

5. Juni 2013
    Auf einer Diskussionsveranstaltung des SPD-Ortsverbands Jakobervorstadt / Bleich fühlen wir der SPD bezüglich ihrer Position zur Treppe auf den Zahn. SPD-Stadtrat Stefan Quarg verneint unsere Befürchtungen, eine SPD-geführte Stadtregierung würde nach der Kommunalwahl 2014 den Weiterbau ermöglichen. Die SPD wünscht sich vielmehr eine Lösung, aus der alle ohne Gesichtsverlust herauskommen. Das müsse nicht bedeuten, dass die Treppe stehen bleibe. Von Baureferent Gerd Merkle erfahren wir auf der Veranstaltung, dass die Baugenehmigung der altaugsburggesellschaft abgelaufen ist. Eine formlose Verlängerung werde es nicht geben. Die aag müsse neue Pläne einreichen, die dann im Stadtrat zu behandeln wären.

12. Februar 2015
    Der Bauausschuss der Stadt Augsburg hat sich gegen die Verlängerung der Baugenehmigung für die Treppe ausgesprochen. Damit hat die Bauverwaltung Rückendeckung aus der Politik, um den entsprechenden Antrag der altaugsburggesellschaft aus dem Jahr 2013 ablehnen zu können. Sollte die Ablehnung der Verlängerung in den nächsten Wochen rechtskräftig werden, könnte dies das Ende des Treppenprojekts bedeuten. Der Überlassungsvertrag zwischen Stadt und aag, in dem die Stadt als Vermieterin des Turms einem Treppenanbau zugestimmt hat, verweist statisch auf genau denjenigen Treppenentwurf, der in der Baugenehmigung aus dem Jahr 2007 dargestellt ist. Für diesen gäbe es dann kein Baurecht mehr, eine Erfüllung des Vertrags wäre unmöglich.

5. Mai 2015
    Die altaugsburggesellschaft hat den im Frühjahr 2015 ergangenen Bescheid des Bauordnungsamtes, die Baugenehmigung nicht zu verlängern, nicht rechtskräftig werden lassen. Sie hat am 5. Mai 2015 Klage eingereicht. Damit treffen sich die Treppenbauer in spe erneut mit der Stadt Augsburg vor Gericht. Eine schnelle Lösung in unserem Sinne ist daher nicht in Sicht. Ein erster Gerichtstermin dürfte erst zum Jahresende angesetzt werden.